VIE-Flugverkehr in der Coronakrise

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Das Dialogforum hat bereits Anfang März zum Schutz ihrer Mitglieder alle Sitzungen abgesagt. Die sitzungsfreie Zeit wird von der Prozessleitung bestmöglich genutzt, um Vorbereitungen für ein schrittweises Aufnehmen der Verhandlungen vorzunehmen, sobald es die Corona-Krise wieder zulässt. Das Dialogforum steht auch weiterhin für einen nachhaltigen Interessensaus-gleich aller Parteien zur Verfügung.

 

Die Auswirkungen der weltweiten Regierungsmaßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus sind massiv. Am Flughafen Wien musste der Flugbetrieb weitgehend eingestellt werden. Über mehrere Wochen wurden mit Repatriierungsflügen von Austrian Airlines und einigen anderen Fluglinien Österreicherinnen und Österreicher aus dem Ausland zurückgeholt. Mit Frachtflügen wurde für die Eindämmung der Virusausbreitung dringend benötigtes medizini-sches Material wie z.B. Schutzmasken und Schutzkleidung nach Österreich gebracht.

Noch zwei Tage vor Ankündigung von einschneidenden Maßnahmen auf unser Gesellschafts- und Wirtschaftsleben lag die Zahl der Starts und Landungen pro Tag (24 Stunden) bei über 500, am Freitag, den 13. März sogar noch über 600 Flugbewegungen.

Mit Inkrafttreten der Maßnahmen der Bundesregierung ab dem 16. März 2020 sind die Flugbe-wegungen massiv eingebrochen. In der Woche vor Ostern wurden pro Tag (24 Stunden) zwischen 40 und maximal 61 Starts und Landungen gezählt. Auf diesem Niveau pendelte sich der Flugbetrieb bis Mitte Mai vorerst ein. Seit dem 1. Juni 2020 zeigt sich eine Aufwärtsent-wicklung bei den Flugbewegungen, ausgelöst durch die beginnenden Lockerungen der Reise-beschränkungen.

Die weitere Entwicklung der Zahl der Starts und Landungen wird davon abhängen, wie sich die Reisebeschränkungen (z.B. Balearen etc.) auswirken werden und wie sich nun im September 2020 die Nachfrage entwickeln wird, nachem in der letzten Augustwoche (KW36) etwas mehr Flugbewegungen zu verzeichnen waren als in der KW35. Eine Annäherung an den Flugbetrieb wie vor der Shut-Down-Phase wird derzeit erst in einigen Jahren erwartet, genaue Prognosen sind aufgrund der sich laufend wechselnden Rahmenbedingungen nicht vorhanden.

Abbildung 1 zeigt die akutelle Entwicklung der Flugbewegungen am Flughafen Wien bis Sonntag den 06. September2020.
 
 
: Quelle: FWAG, Abteilung Umwelt; Dialogforum Flughafen Wien
  

Am Flughafen Wien blieben die Flugzeuge des Homecarriers Austrian Airlines (AUA) bis ein-schließlich 14. Juni 2020 am Boden. Neben den Frachtflügen hielt die AUA einige Verbindungen von Wien mit München, Frankfurt, Düsseldorf etc. aufrecht. Die AUA verhandelte mit der Bun-desregierung ein staatliches Hilfspaket. Die Regierung forderte für die staatliche Hilfe neben einer Standortgarantie und einer Garantie für die Erhaltung der Hubfunktion und der Lang-streckenflüge auch Maßnahmen zum Schutz des Klimas. In Deutschland haben sich die Regierung, das Lufthansa-Management und die Belegschaftsvertreter auf ein staatliches Hilfspaket von rund 9 Mrd. Euro verständigt.

Die EU-Kommission hat schlussendlich grünes Licht sowohl für die Einigung mit der Lufthansa als auch mit der AUA gegeben. Insgesamt hat die AUA rund 600 Mio Euro an Hilfsgeldern erhalten, 150 Mio. Euro davon hat die Lufthansa als Mutterkonzern beigetragen.

Bei der zweitgrößten Airline am Flughafen Wien Laudamotion waren die Verhandlungen nach mehreren Ultimaten der Muttergesellschaft Ryanair bereits gescheitert. Ryanair und die Lauda-motion-Geschäftsführung drohte mit Schließung der Airbus-Basis in Wien und dem Verlust von rund 500 Arbeitsplätzen. Schlussendlich konnte doch noch eine Einigung auf einen Krisenkollek-tivvertrag zwischen Gewerkschaft und Wirtschaftskammer (WKÖ) erzielt werden, die auch von der Muttergesellschaft Ryanair mitgetragen wird.

Die Grafik der Flugbewegungen zeigt nach Ostern bis Mitte Mai ein konstantes Bild. An den meisten Tagen verzeichnet der Flughafen Wien zwischen 30 und 50 Flugbewegungen, an ein-zelnen Tagen werden auch bis über 60 Starts und Landungen registriert. In KW23 und KW24 zeigt sich erstmals ein Aufwärtstrend bei den Flugbewegungen, ausgelöst durch die beginnende Aufhebung von Reisebeschränkungen vor allen in der Europäischen Union (vgl. Abb. 2), der sich auch in der KW25 und KW26 fortgesetzt hat. Zum Ferienbeginn (KW27 / KW28) hat sich die Aufwärtsentwicklung fortgesetzt.

Mitte Juli musste das Außenministerium allerdings die Reisewarnungen von 8 auf 18 Länder ausweiten. Diese Maßnahmem haben bis zum 31. Juli das Flugverkehrsangebot der AUA reduzieren und auch einen negativen Einfluss auf die Passagierzahlen auf den AUA-Lang-streckenflügen gehabt. Viele Transitpassagiere konnten nicht nach Wien kommen , um von hier aus Langstreckenziele zu erreichen.
 
Der Vergleich der letzten Wochen zeigt, dass die Zahl der Flugbewegungen in den Kalenderwochen KW31 und KW32 wieder angestiegen, dann aber in den drei darauffolgenden Wochen wieder stagnierte.  Erst in der 1. Septemberwoche (KW36) haben die Flugbewegungen deutlich zugelegt, es bleibt abzuwarten, wie sich nun das Ende der Sommerferien auf die Flugbewegungszahlen auswirken wird.
 

 
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Analysiert man die Flugbewegungen der letzten Wochen für die Abend- und Nachtstunden zwischen 21:00 Uhr und 07:00 Uhr, in denen die Single-Runway-Operation als Teil der Nachtflugregelung gilt, zeigt sich eine weitgehende Einhaltung sowohl für die Starts als auch für die Landungen bei einem durch die Coronakrise und die damit nach wie vor verbundenen weltweiten Reisebeschränkungen stark reduzierten Flugverkehrsaufkommen (vgl. Abb. 3 und Abb. 4).

Abweichungen von Vereinbarungen wie z.B. der Nachtflugregelung, oder für das Verlassen von Abflugrouten werden in den Sommermonaten tlw. durch die häufiger als früher auftretenden starken und großen Gewitter ausgelöst.

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Auch der zweite Teil der Nachtflugregelung - die Deckelung der Flugbewegungen zwischen 23:30 Uhr und 05:30 Uhr innerhalb eines Kalenderjahres und inklusive aller Ausnahmen (z.B. medical flights) auf maximal 4.700 - wird vom Dialogforum laufend beobachtet. Die Slot Coordination Austria (SCA) hat für die letzten Monate - beginnend um die Jahreswende 2019 / 2020 - und insbesondere seit Beginn der Shut-down-Phase laufend deutliche Unterschreitungen der Planwerte gemeldet. Dieser COVID-19 bedingte Trend hat sich auch im Juni fortgesetzt, die Planwerte wurden auch im Juni deutlich unterschritten.

Nach heutigem Stand kann davon ausgegangen werdeb, dass 2020 deutlich weniger Flugbewegungen in der sogenannten Nachtkernzeit (23:30 Uhr - 05:30 Uhr) bis zum Jahresende erfolgt sein werden als die maximal für ein Kalenderjahr zulässige Zahl von 4.700.
 
Die Coronakrise betrifft den weltweiten Flugverkehr massiv. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Virusausbreitung haben in Europa einen dramatischen Einbruch der Flugbewegungen zur Folge und auch in unserem für die Wirtschaft so wichtigen Nachbarland Deutschland ist der Flugverkehr weitgehend zum Erliegen gekommen. Im Juni und in der ersten Julihälfte hat nun der Flugverkehr langsam wieder etwas zugenommen, die Rückgänge zu den Vergleichsmonaten des Vorjahres sind allerdings nach wie vor gravierend.

Die Abbildungen 5 und 6 des Airport Council International - Europe (ACI - EUROPE) zeigen das Ausmaß der Rückgänge an Flugbewegungen im europäischen Luftraum und erste Szenarios der ACI-Europe, wie sich der Flugverkehr im Jahr 2020 aus der Persepktive Mitte Juli 2020 bis zum Jahresende entwickeln könnte.

 
Abbildung 5: Flugbewegungen in Europa vom 1. März 2020 bis zum 19. Juli 2020 - Vergleich 2019 / 2020
 

: Quelle: Airport Council International - Europe (ACI EUROPE)
 
Abbildung 6: ACI-Europe-Szenarien der Passagierentwicklungen in Europa bis Ende 2020 
  • This 4th update considers national & regional plans for a gradual ende to travel restrictions, supply-side issues in returning to air transport operation, demand-side slack for tourism & leisure travel, and teh likely contraction in overall economic demand.
  • The April - December forcasts were developend via the Delphi technique with the traffic forcasters from 17 ACI EUROPE airport members.

 

: Quelle: Airport Council International - Europe (ACI EUROPE)